Vorurteile adé

Die hier folgenden “Mythen” über Retriever, insbesondere Labradore aber auch Golden Retriever, sind Volksweisheiten, die Ihnen so mancher “gelehrte Fachverständige” bereits mitgegeben haben oder aber noch mitgeben wird. Leider oder zum Glück – je nachdem – sind sie jedoch nicht mehr als gebündelter Schwachsinn, das Produkt von Vorurteilen, Falschdeutungen von Beobachtungen und manchmal auch schlichter Dummschwätzerei. Wie immer im Leben verbreitet sich so ein Mist aber sehr schnell und hält sich hartnäckig. Wenn Sie sich noch nicht endgültig für einen Retriever entschieden oder aber bisher wenig Fachliteratur gelesen haben, lohnt es sich, hier kurz reinzulesen. Legen wir los.

Labrador Retriever sind einfach zu führen und erziehen sich quasi von selbst.

Falsch: Der Labrador Retriever ist ein mittelgroßer Hund und braucht Führung und Erziehung durch den Menschen. Wenn Sie es versäumen, ihm einen adäquaten Platz “im Rudel” einzuräumen und ihm diesen auch immer wieder – insbesondere in seiner Jugend und Pubertät – durch eine klare Führung signalisieren, wird er genauso wenig gut oder einfach zu führen sein wie jeder andere Hund mit mangelhafter Erziehung und/ oder Sozialisierung auch.

Richtig: Der Labrador Retriever lernt sehr schnell und gut – wenn er denn sinnvoll beschäftigt und erzogen wird.

Labrador Retriever sind absolut kinderlieb und perfekte Familienhunde.

Falsch: Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass es unverantwortlich ist, einen Hund ohne Aufsicht mit einem Kind spielen zu lassen – ob Pitbull, Labrador, Irish Setter oder Wolfshund – das macht überhaupt keinen Unterschied. Im Insbesonderen ist dem Labrador Kinderliebe nicht genetisch impliziert. Keine Charaktereigenschaft ist dem Hund angeboren, d.h. im Laufe seiner Sozialisation als Welpe und Junghund – selbst im Alter – prägen Erfahrungen sein Charakterbild und bestimmen erwartbare Verhaltensmuster. Deshalb ist es entscheidend, sich genau zu informieren, wo und wie ihr Welpe aufgewachsen ist. Wenn Ihr Züchter Ihnen das nicht glaubhaft vermittelt – Hände weg, von jedem Hund jedweder Rasse! Auf Leute, die Ihren Hund aus der Box auf dem Marktplatz kaufen, möchten wir hier gar nicht erst eingehen.

Richtig: Den perfekten Familienhund machen nur Sie allein durch Ihre Erziehung aus dem Labrador Retriever – und das hat nur äußerst wenig mit einer bestimmten Rasse zu tun sondern wie Sie Ihr Kind mit Ihrem Hund umgehen lassen und den Hund in Ihre Zeitplanung und Ihre Aktivitäten einbeziehen. Anderenfalls ist Ihr Labrador kein perfekter Familienhund sondern schnell ein echter Familien-Albtraum.

Labrador Retriever sind behäbige Couch-Hunde, die brauchen nicht so viel Bewegung.

Quatsch mit Soße! Der Name der Rasse selbst, “Retriever” ist abgeleitet vom englischen Verb “to retrieve”, wörtlich übersetzt “zurückholen, wiederbringen, auch: apportieren”. Der Labrador Retriever ist ein Jagdhund. Man darf sicherlich davon ausgehen, dass die Engländer im 19. Jahrhundert nicht auf Ihren Couches mit Teetassen in der Hand und Hund auf dem Sessel durch den Wald geflogen sind. Dementsprechend sah und sieht das Leistungspotential und die Anforderung des Hundes an Bewegung auch heute noch aus. Der Labrador ist kein Hund, mit dem man einige Male am Tag für 5 Minuten zum “Beinheben” vor die Haustür geht. Er braucht viel Bewegung in möglichst verschiedenen Terrains inklusive Wasser.

Richtig: Der Labrador Retriever ist zu Hause in seinem Wohnraum – insofern er ausgelastet wird – ein umgänglicher und durchaus manchmal auch behäbiger Bolide, der sich gemütlich hinhaut und auch mal Fünfe gerade sein lässt. Wer macht das nicht nach einem guten Arbeitstag? Das ist jedoch auch abhängig vom Charakter (und auch Alter) des Hundes. Und Garantien, da gibt es keine – um mal mit Marius Müller Westernhagen´s Worten zu sprechen.

Labrador Retriever sabbern (besonders viel).

Blödsinn. Unsere Retriever haben noch nicht einmal gesabbert und die, die wir kennen, machen das auch nicht. “Sabbern” ist nicht abhängig von der Rasse sondern halt vom speziellen Tier.

Labrador Retrievern bringt man einmal etwas bei, das sie dann ihr Leben lang “drauf haben”.

Nein, wie bei jedem Hund funktioniert das nicht. Lesen Sie bitte unbedingt diese Seiten.

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